Das Shang Han Lun – die „Abhandlung über durch Kälte verursachte Krankheiten" – gilt als eines der einflussreichsten Medizintexte aller Zeiten. Geschrieben von Zhang Zhong-Jing (张仲景, ca. 150–219 n. Chr.) am Ende der Östlichen Han-Dynastie, enthält es 113 Rezepturen, die bis heute in der klinischen Praxis Asiens verwendet werden. Unter diesen Rezepturen nimmt Chai Hu Gui Zhi Tang eine besondere Stellung ein – als die Formel, die zwei eigenständige Meisterwerke in einer einzigen Komposition vereint.
Zhang Zhong-Jing schrieb in einer Zeit gewaltiger Umbrüche. Epidemien hatten weite Teile Chinas verwüstet, und er verlor nach eigenen Angaben zwei Drittel seiner Familie durch Krankheiten. Aus dieser Erfahrung heraus systematisierte er die Behandlung äußerer Erkrankungen in einer Weise, die vor ihm niemand versucht hatte. Die Grundlage war ein Sechs-Schichten-Modell (Liu Jing), das beschreibt, wie Krankheitserreger schrittweise in den Körper eindringen – von der äußersten Schicht (Tai Yang) über die mittlere Scharnierzone (Shao Yang) bis in die innersten Schichten.
Für jede dieser Schichten entwickelte Zhang Zhong-Jing spezifische Rezepturen. Für die äußerste Schicht schuf er Gui Zhi Tang – die Zimtzweig-Abkochung, die mit nur fünf Zutaten die Oberfläche löst und das Nähr- und Schutz-Qi harmonisiert. Für die Scharnier-Schicht entwarf er Xiao Chai Hu Tang – die Kleine Bupleurum-Abkochung, die weder schweißtreibend noch purgierend wirkt, sondern den Erreger durch Harmonisierung aus dem Zwischenbereich löst.
Doch Zhang Zhong-Jing erkannte auch eine Situation, die weder die eine noch die andere Formel allein bewältigen konnte. In einer berühmten Passage des Shang Han Lun beschrieb er: Wenn bei einer Erkältung nach sechs oder sieben Tagen noch Fieber und leichtes Frösteln bestehen, die Gelenke schmerzen, leichte Übelkeit auftritt und sich unter dem Herzen ein beklemmendes Gefühl einstellt – dann sei das äußere Muster noch nicht vollständig verschwunden, aber der Erreger bewege sich bereits nach innen. Für genau diesen Zwischenzustand schuf er Chai Hu Gui Zhi Tang: eine Fusion beider Formeln.
Der Name im Detail
Chai Hu (柴胡) ist der chinesische Name der Hasenohrwurzel – des Leitkrauts der Shao-Yang-Formel Xiao Chai Hu Tang. Gui Zhi (桂枝) steht für den Zimtkassie-Zweig – das Leitkraut der Oberflächen-Formel Gui Zhi Tang. Tang (汤) bedeutet Abkochung. Der Name vereint also die beiden Leitkräuter der Ausgangsformeln und dokumentiert damit die Fusionslogik: Zwei Formeln, ein neues Ganzes.
Bensky beschreibt in seiner Materia Medica die Beziehung der beiden Hauptkräuter so: Obwohl Chai Hu und Gui Zhi beide die Oberfläche lösen, ist der entscheidende Unterschied, dass eines scharf-kühl und das andere scharf-warm ist. Chai Hu ist klar und leicht, hebt und lüftet Hitze. Gui Zhi ist warm und durchdringend, erreicht die Nähr- und Schutzebene und löst die Muskelschicht. In ihrer Kombination greifen sie gleichzeitig auf verschiedenen Ebenen an – das Scharnier und die Oberfläche werden parallel behandelt.
Die Langlebigkeit dieser Rezeptur erklärt sich aus ihrer Flexibilität. Was Zhang Zhong-Jing vor 1800 Jahren für akute Erkrankungen beschrieb, wird in der modernen TCM-Praxis bei Mustern eingesetzt, die Anspannung und körperliche Beschwerden verbinden: Reizbarkeit mit Verdauungsstörungen, Spannungsgefühle mit Übelkeit, oder wechselnde Kälte- und Hitzegefühle bei innerer Unruhe. Die Grundlogik bleibt dieselbe: Wenn etwas zwischen Innen und Außen festsitzt, braucht es kein Treiben in die eine oder andere Richtung, sondern Harmonisierung.
In der Fünf-Elemente-Lehre der TCM ist Bupleurum 9 dem Element Holz zugeordnet. Das Element Holz repräsentiert die aufsteigende, sich entfaltende Kraft der Natur – die Bewegung des Frühlings, die alles nach oben und außen drängt. Es steht in direktem Zusammenhang mit dem Organfunktionskreis von Leber und Gallenblase, die in der TCM für den freien Fluss des Qi verantwortlich sind.
Die Leber gilt in der TCM als der „General" unter den Organen: Sie plant und koordiniert, sorgt für Ordnung und reibungslosen Ablauf. Ihre wichtigste Funktion ist das „freie Fließen des Qi" (Shu Xie) – die Fähigkeit, Lebensenergie in alle Richtungen gleichmäßig zu verteilen. Wird dieser freie Fluss gestört, spricht die TCM von Leber-Qi-Stagnation – einem der häufigsten Ungleichgewichte überhaupt. Die Folgen beschreibt Maciocia in seinem Standardwerk: Reizbarkeit, Spannungsgefühl unter den Rippen, Seufzen, Verdauungsstörungen und ein Gefühl innerer Enge.
Die Gallenblase wiederum ist in der TCM mehr als ein Verdauungsorgan. Sie wird als das „Scharnier" (Shu) zwischen Innen und Außen betrachtet – der Drehpunkt, an dem sich entscheidet, ob ein pathogener Faktor weiter nach innen vordringt oder nach außen gelöst werden kann. In der Sechs-Schichten-Systematik des Shang Han Lun gehört die Gallenblase zur Shao-Yang-Schicht: dem „Kleineren Yang", das zwischen dem äußeren Tai Yang und dem inneren Yang Ming pendelt.
Bupleurum 9 adressiert nach traditionellem Verständnis primär das Shao-Yang-Muster (Kleineres Yang) – kombiniert mit Restzeichen der Tai-Yang-Schicht (Größeres Yang). Maciocia beschreibt das Shao-Yang-Muster anhand charakteristischer Zeichen: Wechsel von Frösteln und Hitzegefühl, bitterer Mundgeschmack, trockener Hals, verschwommenes Sehen, Völlegefühl und Spannung im Bereich der Rippen (Hypochondrium), fehlender Appetit, Reizbarkeit, Übelkeit und ein saitenförmig-feiner Puls.
Das Besondere am Shao-Yang-Muster ist die Dynamik des Wechsels: Die TCM beschreibt, wie der pathogene Faktor zwischen Oberfläche und Innerem hin- und herpendelt, ohne sich an einem der beiden Orte festzusetzen. Maciocia betont, dass die Kälte- und Hitzegefühle dabei alternieren und nicht gleichzeitig auftreten – ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zum Tai-Yang-Muster, bei dem Frösteln und Fieber parallel bestehen.
Weil der Erreger bei einem Shao-Yang-Muster weder ganz außen noch ganz innen sitzt, verbieten sich die beiden klassischen Behandlungsmethoden: Schweißtreibung (die bei einem reinen Oberflächen-Muster angezeigt wäre) und Purgieren (das bei einem reinen Innen-Muster eingesetzt würde). Stattdessen kommt die dritte große Methode zum Einsatz: Harmonisierung (He Fa). Zhang Zhong-Jing formulierte für die Harmonisierung die geniale Strategie, das Scharnier wieder gangbar zu machen, anstatt den Erreger in eine bestimmte Richtung zu treiben.
Die Architektur von Chai Hu Gui Zhi Tang lässt sich nur verstehen, wenn man sie als das erkennt, was sie ist: eine gezielte Fusion zweier eigenständiger Formeln. Die Shao-Yang-Achse (Chai Hu, Huang Qin, Ban Xia – der Kern von Xiao Chai Hu Tang) arbeitet am Scharnier, während die Tai-Yang-Achse (Gui Zhi, Bai Shao – der Kern von Gui Zhi Tang) die verbleibenden Oberflächen-Zeichen löst. Verbunden werden beide Achsen durch Qi-Stützung (Ren Shen) und ein Harmonisierungs-Trio (Da Zao, Gan Cao, Sheng Jiang).
Jun (Kaiser): Chai Hu (Bupleurum) führt die gesamte Rezeptur mit 1000 mg pro Tagesdosis an – fast ein Viertel der Gesamtmenge. In der Materia Medica wird es beschrieben als „bitter, scharf und kühl", mit Bezug zu den Leitbahnen von Gallenblase, Leber, Perikard und Dreifachem Erwärmer. Bensky betont seine Besonderheit: „Kühl und leicht, hebt und zerstreut, um die Oberfläche zu lüften und Hitze abzuleiten." Diese anhebende Wirkung macht Chai Hu zum idealen Mittel, um einen am Scharnier festsitzenden Erreger nach außen zu führen.
Chen (Minister): Drei Kräuter unterstützen den Kaiser auf verschiedenen Wegen. Huang Qin (Baikal-Helmkraut, 400 mg) bildet mit Chai Hu das vielleicht berühmteste Kräuterpaar der TCM-Formelkunde: Chai Hu hebt und zerstreut, Huang Qin senkt und kühlt – zusammen harmonisieren sie das Shao-Yang-Scharnier von zwei Seiten. Ban Xia (Pinellia, 801 mg) senkt rebellierendes Magen-Qi und löst Schleim in der Mitte – die Materia Medica beschreibt es als „scharf zum Öffnen, glatt zum Absenken, bitter zum Trocknen." Gui Zhi (Zimtkassie-Zweig, 500 mg) löst verbleibende Oberflächen-Kälte und wärmt die Muskelschicht. Bensky hebt hervor, dass es im Shang Han Lun 130-mal in 77 verschiedenen Formeln vorkommt – kein anderes Kraut außer Ginseng wird in der klassischen Literatur so eingehend besprochen.
Zuo (Berater): Bai Shao (Weiße Pfingstrose, 500 mg) bildet mit Gui Zhi das zweite große Paar dieser Rezeptur. Die Materia Medica beschreibt die Dynamik: Gui Zhi ist scharf, süß und warm mit einer aufsteigenden Natur – Bai Shao ist sauer und kühl mit einer zurückhaltenden, bewahrenden Natur. „Eines bewegt das Qi, das andere das Blut; eines zerstreut, das andere bewahrt; eines ist Bewegung, das andere ist Stille." Bai Shao schützt die Yin-Flüssigkeiten und verhindert, dass Chai Hu und Gui Zhi zu stark zerstreuen. Ren Shen (Ginseng, 400 mg) stützt das korrekte Qi des Körpers, damit die harmonisierenden Kräuter wirken können, ohne den Organismus zu erschöpfen.
Shi (Bote): Das Trio aus Da Zao (Dattel, 400 mg), Gan Cao (Süßholz, 302 mg) und Sheng Jiang (Ingwer, 198 mg) verbindet alle Ebenen der Rezeptur. Zhang Xi-Chun wird in der Materia Medica zitiert: „Wenn Ingwer und Dattel zusammen verwendet werden, ist es wunderbar zur Harmonisierung des Nähr- und Schutz-Qi – daher enthalten die Gui Zhi Tang und alle Bupleurum-Formeln im Shang Han Lun dieses Paar." Gan Cao harmonisiert die Rezeptur als Ganzes und mildert die Toxizität der unverarbeiteten Ban Xia.
Drei funktionelle Ebenen
Ebene 1: Scharnier-Harmonisierung (Chai Hu + Huang Qin + Ban Xia) – löst den pathogenen Faktor aus dem Shao-Yang-Bereich, harmonisiert auf- und absteigende Qi-Bewegung. Ebene 2: Oberflächen-Lösung (Gui Zhi + Bai Shao) – befreit verbleibende Kälte an der Oberfläche, harmonisiert Nähr- und Schutz-Qi. Ebene 3: Stützung und Verbindung (Ren Shen + Da Zao + Gan Cao + Sheng Jiang) – stärkt das korrekte Qi, schützt die Mitte, verbindet beide Achsen zu einer Einheit.
Bupleurum 9 enthält neun Pflanzenextrakte in definierten Extraktverhältnissen. Die folgende Übersicht zeigt jeden Bestandteil mit seiner Rolle im Jun-Chen-Zuo-Shi-System, den traditionellen Eigenschaften nach der Materia Medica und den wichtigsten modernen Inhaltsstoffgruppen.
Bupleurum chinense · Chai Hu · Extrakt 10:1
1.000 mg pro Tagesdosis · Bitter, scharf, kühl · Gallenblase, Leber, Perikard, Dreifacher Erwärmer
Die Hasenohrwurzel ist das namensgebende Leitkraut und wird bereits im Shennong Bencaojing erwähnt, einem der ältesten Kräuterbücher (ca. 300 v. Chr.). Die Materia Medica beschreibt sie als klar und leicht mit einer aufsteigenden, zerstreuenden Natur, die den Erreger aus dem Halb-Innen-Halb-Außen-Bereich des Shao Yang herausführt. Gleichzeitig befreit Chai Hu die Leber-Qi-Stagnation – eine Wirkung, die in späteren Formeln wie Xiao Yao San (Freies-Wandeln-Pulver) zum Haupteinsatzgebiet wurde. Enthält u. a. Saikosaponine (a, b1, b2, c, d), ätherisches Öl, Flavonoide und Polysaccharide.
Pinellia ternata · Ban Xia · Extrakt 10:1
801 mg pro Tagesdosis · Scharf, warm · Lunge, Milz, Magen
Die Pinellie-Knolle ist die mengenstärkste Zutat nach Chai Hu und verantwortlich für die Transformation von Schleim und Feuchtigkeit in der Mitte. Unverarbeitet ist Ban Xia toxisch – erst durch die traditionelle Präparation mit Ingwer und Alaun wird es für den internen Gebrauch sicher. Die Materia Medica charakterisiert es als „scharf zum Öffnen, glatt zum Absenken rebellierenden Qi, bitter zum Trocknen" und betont seine besondere Fähigkeit, den normalen Abstieg des Magen-Qi wiederherzustellen. Li Gao notierte, dass Ingwer (Sheng Jiang) in Kombination mit Ban Xia dessen Toxizität auflöst – ein Grund, warum beide in dieser Rezeptur zusammen erscheinen. Enthält u. a. Pinellia-Alkaloide, β-Sitosterol, Polysaccharide und Aminosäuren.
Cinnamomum cassia · Gui Zhi · Extrakt 10:1
500 mg pro Tagesdosis · Scharf, süß, warm · Herz, Lunge, Blase
Der Zimtkassie-Zweig ist das Leitkraut der zweiten Quellformel (Gui Zhi Tang) und eines der am tiefsten diskutierten Kräuter der gesamten chinesischen Medizinliteratur – Bensky stellt es in seiner Bedeutung gleichrangig neben Ginseng. Ein wesentlicher Punkt ist der Unterschied zwischen Schweißtreibung und Muskelschicht-Lösung: Gui Zhi löst die Muskelschicht durch eine sanfte Durchströmung des Nähr- und Schutz-Qi, die den Erreger nach außen geleitet – anders als Ephedra (Ma Huang), das durch starke Öffnung der Hautporen Schweiß erzwingt. Li Shi-Zhen beschrieb es im Grand Materia Medica: „Gui Zhi durchdringt die Nähr- und Schutzebene und löst so die Muskelschicht." Enthält u. a. Zimtaldehyd, Zimtsäure, Cumarin und ätherisches Öl.
Scutellaria baicalensis · Huang Qin · Extrakt 10:1
400 mg pro Tagesdosis · Bitter, kalt · Lunge, Magen, Gallenblase, Dickdarm
Die Baikal-Helmkrautwurzel ist der kühlende Gegenspieler zu Chai Hu und bildet mit ihm das Kernpaar für die Harmonisierung des Shao-Yang-Bereichs. Während Chai Hu hebt, zerstreut und den Erreger nach außen führt, senkt Huang Qin und kühlt die entstandene Hitze. Die Materia Medica ordnet es als „wichtiges Kraut bei feuchter Hitze" ein und beschreibt es als eines der Hauptmittel zur Klärung von Hitze im oberen Erwärmer. Dieser kühlende Charakter ist essenziell für die Balance der Rezeptur: Ohne Huang Qin würden Chai Hu und Gui Zhi zusammen zu stark zerstreuen und erwärmen. Enthält u. a. Baicalin, Baicalein, Wogonin und Oroxylin A.
Paeonia lactiflora · Bai Shao · Extrakt 10:1
500 mg pro Tagesdosis · Bitter, sauer, mild kühl · Leber, Milz
Die weiße Pfingstrose ist der bewahrende Gegenpol innerhalb der Gui-Zhi-Tang-Achse und gleichzeitig ein eigenständiges Meisterkraut. Die Materia Medica beschreibt sie als „sauer und kühl mit einer zurückhaltenden, hemmenden Natur: Sie bewahrt die Yin-Flüssigkeiten und nährt das Blut." Bensky betont die elegante Spannung des Gui-Zhi-Bai-Shao-Paares: „Eines bewegt das Qi, das andere das Blut; eines zerstreut, das andere bewahrt; eines ist Bewegung, das andere ist Stille." Zhang Zhong-Jing erforschte diese Kombination im gesamten Shang Han Lun – für äußere und innere Störungen, für Fülle und Mangel. Enthält u. a. Paeoniflorin, Albiflorin, Paeonol und Tannine.
Panax ginseng C.A.Mey. · Ren Shen · Extrakt 10:1
400 mg pro Tagesdosis · Süß, leicht bitter, leicht warm · Lunge, Milz
Ginseng stützt in dieser Rezeptur das „korrekte Qi" (Zheng Qi) des Körpers – die natürliche Abwehrkraft, die durch das Pendeln des Erregers zwischen den Schichten bereits geschwächt ist. Im Kontext der Harmonisierung ist diese Stützung unverzichtbar: Ohne ausreichende Grundenergie können die harmonisierenden Kräuter den Erreger nicht effektiv herausführen. In Xiao Chai Hu Tang wird Ren Shen als „Verstärkung für Schwache" beschrieben – es wird nur zugesetzt, wenn der Patient konstitutionell geschwächt ist. Enthält u. a. Ginsenoside (Rb1, Rg1, Re), Polysaccharide und Peptide.
Ziziphus jujuba Mill. var. · Da Zao · Extrakt 10:1
400 mg pro Tagesdosis · Süß, warm · Milz, Magen
Die Chinesische Dattel schützt die Mitte (Milz und Magen) vor der Belastung durch die kühlen und bitteren Kräuter der Rezeptur. Zhang Xi-Chun wird in der Materia Medica zitiert: Wenn Ingwer und Dattel zusammen verwendet werden, harmonisieren sie das Nähr- und Schutz-Qi auf wunderbare Weise – daher finde man dieses Paar sowohl in der Gui Zhi Tang als auch in allen Bupleurum-Formeln des Shang Han Lun. Enthält u. a. Jujuboside, Saponine, Flavonoide und verschiedene Vitamine.
Glycyrrhiza uralensis · Gan Cao · Extrakt 10:1
302 mg pro Tagesdosis · Süß, neutral · Alle 12 Leitbahnen
Süßholz ist der große Harmonisierer der chinesischen Formelkunde. Es verbindet die Wirkungen aller Kräuter, stärkt das Milz-Qi und mildert die Toxizität anderer Bestandteile – hier besonders die der Pinellie (Ban Xia). Li Gao notierte, dass Ingwer in Kombination mit Ban Xia dessen Toxizität auflöst, während Süßholz die Rezeptur als Ganzes harmonisiert. Enthält u. a. Glycyrrhizin, Glycyrrhetinsäure, Liquiritin und Isoliquiritin.
Zingiber officinale · Sheng Jiang · Extrakt 10:1 (5 % Gingerole)
198 mg pro Tagesdosis · Scharf, leicht warm · Lunge, Milz, Magen
Ingwer erfüllt in Bupleurum 9 gleich drei Funktionen: Er wärmt die Mitte und lindert Übelkeit, entgiftet die Pinellie und harmonisiert mit der Dattel das Nähr- und Schutz-Qi. Li Gao beschrieb vier Wirkungen des Ingwers: „Bei der Zubereitung von Ban Xia löst er die Toxizität; mit Da Zao stärkt er die Verdauung; er wärmt die Leitbahnen zur Zerstreuung äußerer pathogener Einflüsse; und er nützt dem Qi, indem er Magen-Beschwerden lindert." Der auf 5 % Gingerole standardisierte Extrakt gewährleistet eine gleichbleibende Qualität.
Die folgenden Studien untersuchen einzelne Pflanzenbestandteile von Bupleurum 9 unter Laborbedingungen. Sie liefern erste wissenschaftliche Einblicke in die Inhaltsstoffe der Rezeptur, sind aber nicht mit klinischen Wirksamkeitsnachweisen für die Gesamtrezeptur gleichzusetzen. Die meisten Ergebnisse stammen aus In-vitro- oder Tiermodell-Studien.
Die Hasenohrwurzel ist einer der am intensivsten erforschten Bestandteile. Ihre Saikosaponine wurden in verschiedenen Studien auf leberschützende und entzündungsregulierende Eigenschaften untersucht. Kim et al. (2012) untersuchten antioxidative und schützende Wirkungen des Bupleurum-Extrakts im Tiermodell und identifizierten dabei Mechanismen, über die der Extrakt mit dem Schilddrüsenstoffwechsel interagieren könnte.
Die Materia Medica von Bensky, Clavey und Stöger verzeichnet unter dem Abschnitt „Pharmacological Research" weitere Hinweise auf die enthaltenen Saikosaponine (Saikosaponin a, c, d), Phytosterole und Flavonoide als pharmakologisch relevante Inhaltsstoffgruppen.
Die Baikal-Helmkrautwurzel (Huang Qin) gehört zu den weltweit am besten dokumentierten TCM-Heilpflanzen. Zhao et al. (2019) publizierten ein umfassendes Review, das sowohl traditionelle Anwendungsgebiete als auch moderne Forschungsansätze abdeckt. Der Hauptwirkstoff Baicalin wurde dabei als pharmakologisch besonders relevante Substanz identifiziert. Für die weiße Pfingstrosenwurzel (Bai Shao) untersuchten Ma et al. (2020) den Hauptwirkstoff Paeoniflorin speziell in Bezug auf seine Wirkungen auf die Leber – ein Schwerpunkt, der sich mit der TCM-Zuordnung von Bai Shao zum Leber-Funktionskreis deckt.
Auch für die übrigen Bestandteile gibt es wissenschaftliche Literatur: Ginseng (Panax ginseng) wurde umfangreich auf seine adaptogenen Eigenschaften und die enthaltenen Ginsenoside hin untersucht. Mancuso und Santangelo (2017) publizierten ein umfassendes Review zur Pharmakologie und Toxikologie. Für Pinellia ternata (Ban Xia) liegen Studien zur Gefäß-Endothelfunktion vor (Lu et al., 2020). Ingwer (Zingiber officinale) wurde u. a. von Young et al. (2005) auf seine schmerzlindernden und entzündungshemmenden Eigenschaften – insbesondere des Inhaltsstoffs 6-Gingerol – hin untersucht.
Wichtiger Hinweis zur Einordnung: Die genannten Studien beziehen sich auf Einzelbestandteile oder isolierte Inhaltsstoffe. Ergebnisse aus In-vitro-Untersuchungen (im Reagenzglas) oder Tiermodellen lassen sich nicht direkt auf die Wirkung der Gesamtrezeptur beim Menschen übertragen. TCM-Rezepturen beruhen auf dem Zusammenspiel aller Bestandteile, das durch Einzelstoffstudien nicht vollständig abgebildet wird.
Kim et al. (2012): Antioxidant and Protective Effects of Bupleurum falcatum on the L-Thyroxine-Induced Hyperthyroidism in Rats. PubMed: 22888365
Zhao et al. (2019): Scutellaria baicalensis Georgi. (Lamiaceae): a review of its traditional uses, botany, phytochemistry, pharmacology and toxicology. PubMed: 31236960
Lu et al. (2020): Pinellia ternata attenuates carotid artery intimal hyperplasia and increases endothelial progenitor cell activity via the PI3K/Akt signalling pathway in wire-injured rats. PubMed: 33253601
Ma et al. (2020): Paeoniflorin, a Natural Product With Multiple Targets in Liver Diseases – A Mini Review. PubMed: 32410996
Mancuso & Santangelo (2017): Panax ginseng and Panax quinquefolius: From pharmacology to toxicology. PubMed: 28698154
Young et al. (2005): Analgesic and anti-inflammatory activities of [6]-gingerol. PubMed: 15588672
Die Ethno Health Variante von Bupleurum 9 folgt der klassischen Zusammensetzung der Chai Hu Gui Zhi Tang, ergänzt um die Ethno-Health-eigene Anpassung der Extraktverhältnisse. Die Tagesdosis beträgt 4,5 g Pulver, eingerührt in 150 ml heißes Wasser – angelehnt an die traditionelle Zubereitung als Abkochung (Tang), wie Zhang Zhong-Jing sie im Shang Han Lun für diese Rezeptur vorsah. Der Aufguss wird in kleinen Schlucken getrunken.
Zertifizierte Lieferanten: Alle Pflanzenextrakte werden von geprüften, zertifizierten Lieferanten bezogen und entsprechen europäischen Qualitätsstandards.
Definierte Extraktverhältnisse: Alle neun Bestandteile liegen als 10:1-Extrakte vor. Das bedeutet: Aus 10 Teilen Rohmaterial wird 1 Teil konzentrierter Extrakt gewonnen – die Wirkstoffe sind entsprechend konzentriert gegenüber einem einfachen Teeaufguss.
Präparierte Pinellie: Ban Xia wird ausschließlich in seiner präparierten Form (Zhi Ban Xia) verwendet. Die traditionelle Aufbereitung mit Ingwer und Alaun entfernt die toxischen Calciumoxalat-Raphide der rohen Knolle und macht den Extrakt für den internen Gebrauch sicher.
Standardisierte Inhaltsstoffe: Der Ingwerwurzelextrakt ist auf 5 % Gingerole standardisiert (10 mg pro Tagesdosis). Diese Standardisierung gewährleistet eine gleichbleibende Qualität unabhängig von Ernteschwankungen.
Vegan, laktose- und glutenfrei: Die Rezeptur enthält ausschließlich pflanzliche Bestandteile und ist frei von den häufigsten Allergenen.
Die Einnahme erfolgt als täglicher Aufguss: 4,5 g Pulver in 150 ml heißes (nicht kochendes) Wasser einrühren und in kleinen Schlucken trinken. Die Zubereitung als warmes Getränk folgt der Tradition der Abkochung und unterstützt nach TCM-Verständnis die harmonisierende Wirkung auf das Scharnier zwischen Äußerem und Innerem.
Bupleurum 9 lässt sich gut mit Ayurveda Balance von Ethno Health kombinieren, um verschiedene Aspekte der inneren Balance zu unterstützen.
In der TCM-Tradition wird Chai Hu Gui Zhi Tang für Menschen empfohlen, deren „Scharnier" – also die Grenze zwischen Äußerem und Innerem, zwischen Oberfläche und Tiefe – aus dem Gleichgewicht geraten ist. Die traditionellen Anwendungsgebiete lassen sich am besten in der Sprache der Fünf-Elemente-Lehre beschreiben:
Menschen, die sich von Bupleurum 9 angesprochen fühlen, beschreiben oft ein Gefühl von innerem Druck und Anspannung, das sich nicht allein durch Entspannung oder Ablenkung auflösen lässt. In der TCM-Tradition wird dies als Zeichen einer Leber-Qi-Stagnation interpretiert – der freie Fluss im „Scharnier" zwischen Innen und Außen ist blockiert, und die daraus resultierende Stauung erzeugt Gereiztheit, Spannungsgefühle und ein Wechselspiel zwischen Hitze und Kälte.
Im Rezeptursystem von Ethno Health gibt es mehrere Formeln, die sich gegenseitig ergänzen können:
Element Erde
Stärkt die Herz-Milz-Achse bei Blut-Mangel mit Vergesslichkeit, Herzrasen und Schlafproblemen. Der Ansatz über Blut-Aufbau statt Qi-Bewegung.
Element ERDE
Teilt mit Bupleurum 9 die Kräuter Chai Hu und Ren Shen. Wo Bupleurum 9 das Scharnier harmonisiert, hebt Astragalus 10 das abgesunkene Milz-Qi an.
Element Feuer
Nährt das Herz-Yin bei geistiger Erschöpfung, Schlafstörungen und innerer Unruhe aus Yin-Mangel. Wo Bupleurum 9 Stagnation löst, nährt Schisandra 13 die erschöpfte Substanz.
Jeder Mensch ist anders. Unser kostenfreier TCM-Typen-Test hilft dir, deine individuelle Konstitution besser zu verstehen und die passende Rezeptur zu finden.
Was bedeutet Chai Hu Gui Zhi Tang?
Chai Hu (柴胡) ist der chinesische Name der Hasenohrwurzel (Bupleurum), Gui Zhi (桂枝) steht für den Zimtkassie-Zweig, und Tang (汤) bedeutet Abkochung. Der Name vereint die beiden Leitkräuter der Ausgangsformeln – Xiao Chai Hu Tang und Gui Zhi Tang – und dokumentiert damit die Fusionslogik dieser Rezeptur.
Wie wird Bupleurum 9 eingenommen?
Die empfohlene Tagesdosis beträgt 4,5 g Pulver, eingerührt in 150 ml heißes Wasser. Der Aufguss wird in kleinen Schlucken getrunken – angelehnt an die traditionelle Zubereitung als Abkochung (Tang), wie sie Zhang Zhong-Jing im Shang Han Lun beschrieb.
Warum vereint Bupleurum 9 zwei verschiedene Formeln?
Zhang Zhong-Jing beschrieb im Shang Han Lun eine Situation, in der ein pathogener Faktor weder vollständig an der Oberfläche noch vollständig im inneren Scharnier-Bereich sitzt. Für diesen Zwischenzustand kombinierte er die Oberflächen-lösende Gui Zhi Tang mit der harmonisierenden Xiao Chai Hu Tang. Das Ergebnis ist eine Rezeptur, die gleichzeitig an zwei Ebenen arbeitet – eine Strategie, die mit nur einer der beiden Formeln nicht erreichbar wäre.
Was unterscheidet Bupleurum 9 von Schisandra 13 und Ziziphus 9?
Alle drei Rezepturen adressieren nach TCM-Verständnis innere Unruhe und Anspannung, aber auf grundverschiedenen Ebenen. Bupleurum 9 löst Qi-Stagnation im Leber-Gallenblase-System und harmonisiert das Shao-Yang-Scharnier – der Ansatz liegt bei Anspannung mit körperlichen Begleitsymptomen wie Übelkeit oder Rippenschmerz. Schisandra 13 (Tian Wang Bu Xin Dan) nährt das Herz-Yin bei geistiger Erschöpfung mit Herzklopfen und Schlafstörungen. Ziziphus 9 (Gui Pi Tang) stärkt die Herz-Milz-Achse bei Blut-Mangel mit Vergesslichkeit und fehlendem Appetit.
Rechtlicher Hinweis: Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die beschriebenen Wirkprinzipien beziehen sich auf die Traditionelle Chinesische Medizin und stellen keine medizinischen Wirkaussagen im Sinne des europäischen Lebensmittelrechts dar.
Bei Erkrankungen, Schwangerschaft, Stillzeit oder der Einnahme von Medikamenten sollten Sie vor der Anwendung ärztlichen Rat einholen. Die auf dieser Seite dargestellten Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle medizinische Beratung.
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